Engel im Stresstest

Ein Weihnachtsspiel über jugendliche Engel und die Frohe Botschaft in der Gegenwart


© Pixabay

Von Pastor Michael Ebener mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden 2019/20

Die Rollen

(Erzählerin - Vorspruch von Kanzel / Kanzelmikro
Erzähler – Vorspruch von Kanzel / Kanzelmikro)
Erzählerin vom Lesepult / Mikro
Erzähler vom Lesepult / Mikro
Erzengel Michael Gewand, evtl. Talar / Headset
Engel Vincent ein wenig ängstlich / Handmikro
Engel Dimitri grob / Handmikro
Engel Horatio kalt, sachlich / Handmikro
Engel Caro Kapitänin Carola Rakete - Rastafrisur / Survivalhose / Tank-Top / Handmikro
Engel Grit Greta Thunberg - Zöpfe / Pudelmütze / Handmikro
Engel Em Malala Yousafzai – Orientalische Pludderhose / lose gebundenes rotes Kopftuch / Kanzelmikro / Handmikro
Luce Morningstar Lucifer Morningstar (Serie) / Anzug / Headset
Gerettete*r 1 stumme Rolle
Gerettete*r 2 stumme Rolle
Gerettete*r 3 stumme Rolle
Salvini Ehem. ital. Innenminister - hemdsärmelig / Bauch - stumme Rolle
Hirt*in 1 kleine Sprechrolle / Mikrobox in der Mitte
Hirt*in 2 kleine Sprechrolle / Mikrobox in der Mitte
Hirt*in 3 kleine Sprechrolle / Mikrobox in der Mitte

Setting

Die jeweilige Kirche, bzw. der Altarraum ist die Spielfläche. Zu Beginn stehen in Front zwei 3er-Stuhlreihen und ein Pult. Dies simuliert ein „himmlisches“ Klassenzimmer. Die Stühle werden nach der ersten Szene abgebaut. Der Tannenbaum im Kirchraum steht im Verlauf für einen weihnachtlich geschmückten Platz, vielleicht ein Marktplatz. Dieser Ort wird später auch zum „Feld von Bethlehem“. Die Handlung wird von zwei Erzähler*innen vom Lesepult aus geleitet, die Figuren und Gemeinde auch ansprechen. Zwei Erzähler*innen von der Kanzel sind zu Beginn und zum Ende für „liturgische“ Sprechakte vorgesehen. Bei weniger Mitspieler*innen können die Erzähler*innen auch verschmelzen

 

Vorspruch von der Kanzel / Mikro

Erzählerin - Vorspruch:

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.

Erzähler – Vorspruch:

Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.

Erzählerin - Vorspruch:
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht,
der Engel.

Erzähler – Vorspruch:

Er steht im Weg und er sagt: Nein,
der Engel.
Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein
es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel. treten ab

 

1. Szene: Im himmlischen Klassenzimmer Engel auf Stühlen, Bibeln unter Stuhl, Flügel / Pult, Glocke, Telefon

Erzähler: Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Erzählerin: Es müssen überhaupt keine Männer sein – wir sind sowieso besser vorbereitet!

Erzähler: Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen …

Erzählerin: Aber schau, wie es zugeht: Caro, Grit und Em aufmerksam in der ersten Reihe und die Jungs albern rum und daddeln am Handy – pardon: zupfen sich an den Flügeln.

Erzähler: Das wird ihnen gleich vergehen, denn ich habe ihn schon gesehen …

Erzählerin: Wen?

Erzähler: Na, den Erzengel!

Erzählerin: Michael, den himmlische Schuldirektor und „Chef“ hier auf der Etage?

Erzähler: Genau! Der Erzengel muss aus denen schnell noch passable Weihnachtsengel machen.

Erzähler: Was steht denn auf dem Stundenplan?

Erzählerin: blättert Gerade hatten sie „Himmlische Heerscharen“, heute mit Formationsflug.

Erzähler: Ja, man muss gut zielen, wenn man bei dem Gedränge hier heil rein will!

Erzählerin: Nachher kommt „Himmlische Chöre“, inklusive Stimmtraining für diejenigen, die mit dem Jauchzen noch Probleme haben.

Erzähler: Dann müsste jetzt gleich eine Doppelstunde „Frohbotschaft“ anfangen.

Erzähler*in: Stimmt. Horch: es läutet! Tischglocke anschlagen, abtreten / Michael tritt ans Pult

Michael: Guten Abend, meine Lieben! Ich begrüße euch herzlich zu einer weiteren Unterrichtseinheit „Frohbotschaft“. freundlich Viel Zeit ist nicht mehr, bis zu eurem ersten großen Auftritt. Mädchen greifen unter den Stuhl nach ihren Bibeln, Jungs ungerührt So, wenn auch ihr euch dann bitte dem heutigen Unterrichtsstoff zuwenden wollt … schärfer – Richtung Jungs Etwas schneller, meine Herren! kramen nach ihren Bibeln Wir schlagen auf Lukas 2, Vers 10 und lesen gemeinsam …

Vincent: Ich find‘ das nicht. jämmerlich

Michael: Aber da ist doch das Register in deiner Bibel - einfach bei Lukas aufschlagen.

Dimitri: Der hat die Registerreiter in seiner Bibel einfach hintereinander geklebt und hat deshalb kein Plan! lacht Vincent aus

Horatio: Weiß jemand, wo meine Bibel ist – ich glaube, die liegt zu Hause …

Michael: Oh, HERR, schenk mir Geduld! Augen zum Himmel gerichtet

Horatio: Hab‘ sie! triumphierend

Michael: Nun gut: Seite 71 im Neuen Testament. - Frag nicht! Richtung Vincent - Dann los!

Engel im Chor:

Fürchtet euch nicht!
Siehe, wir verkündigen euch große Freude,
die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Lukas 2, 10-11

Michael: Sehr schön. Aber an der Betonung arbeiten wir noch. Noch einmal: Siehe ich verkünde Euch große Freude … – etwas „freudiger“, bitte.

Engel im Chor: Siehe, ich verkünde Euch große Freude. betont freudig

Michael: Nun weiter: … war da die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten GOtt und sprachen: …

Engel im Chor:

Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Lukas 2, 14 / alle zusammen

Michael: Friede auf Erden … - das muss samtig weich klingen wie Bratapfelkuchen.

Engel im Chor: Friede auf Erden. feierlicher

Michael: Perfekt! Caro, Grit und Em, Jungs – schnallt die Flügel um und runter mit Euch! Ihr seid soweit. Die Frohe Botschaft muss unters Volk, die haben das echt nötig auf der Erde. Und Jungs: kein Blödsinn! Mädels: Ich verlass mich auf euch!

Mädchen: Jawohl, Erzengel – wir fliegen. beflissen, schnallen Flügel um, treten ab – „Surr“

Vincent: Aber … kläglich

Horatio: stößt ihn an Komm schon!

Dimitri: Aber was sollen wir denn …? schnallen im Rausgehen Flügel um, schlurfen hinterher

Michael: Tischglocke So, geschafft! Man muss den Jugendlichen auch mal was zutrauen! Ich gönn’ mir jetzt erst mal ein Wölkchen… Erzengel tritt ab / Erzähler*innen ans Pult

 

2. Szene: Drei Engel legen los auf dem Marktplatz, in New York, im Mittelmeer

Erzähler: Ob das gut geht? Die Mädels scheinen einen Plan zu haben. Aber um die Jungs mache ich mir richtig Sorgen. Wenn die jetzt an den Falschen geraten!

Luce Morningstar lehnt am Rand (an einer Säule?), reibt sich genüsslich und hörbar die Hände

Erzählerin: Hast doch gehört: Man muss Vertrauen haben in die jungen Leute! Schau, es geht los. Da sind sie … Mädchen betreten das Kirchenrund

Grit: So, Schwestern, sie sind in unsere Hand gegeben! Geste Richtung Gemeinde Endlich dürfen wir die Frohe Botschaft unters Volk bringen. Das ist unsere engelsmäßige Aufgabe!

Em: Wir sind GOttes Botinnen – dafür sind wir ausgebildet.

Caro: Top ausgebildet! stellen den „James Bond“

Grit: Aber ihr wisst ja, was hier unten los ist. Und das wird von Jahr zu Jahr schlimmer …

Em: Ja, von wegen „große Freude allem Volk“ – das gilt oft nur für Jungs und Männer, denn die bestimmen in vielen Ländern, was wir tun sollen. Auch im Jahr 2019 sind Frauen und Mädchen noch längst nicht gleichberechtigt!

Grit: Und da hapert es nicht nur in Pakistan!

Em: Wenn wir lernen wollen, werden wir eingesperrt, geschlagen oder noch viel Schlimmeres. berührt ihre verheilte Wunde

Caro: Es gibt so viel Gewalt auf der Welt, so viele Kriege! Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Und die Reichen wollen einfach nicht abgeben. Aber die Armen lassen sich nicht mehr für dumm verkaufen – die wissen, wo man besser leben kann und versuchen hierher zu kommen. Dafür wagen sie alles.

Em: Auf dem Mittelmeer, da ertrinken sie dann, weil die Schlauchboote sinken. gerührt

Grit: Und was glaubt ihr, passiert, wenn der Klimawandel noch schlimmer wird? Da können viele Menschen in ihren Ländern überhaupt nicht mehr leben, weil der Meeresspiegel steigt und es viel zu heiß wird. Wenn die Erwachsenen so weiter machen und wir das auch noch übernehmen, geht der ganze schöne blaue Planet zum Teufel.

Luce Morningstar lehnt am Rand (an der Säule?), reibt sich genüsslich und hörbar die Hände

Grit: Da können wir nicht einfach so tun, als sei hier alles Friede, Freude, Weihnachten!

Em: Da müssen wir was machen, Schwestern! entschlossen

Caro: Da müssen wir aktiv werden! Schritt nach vorne

Grit: Und die da alle aufrütteln! zeigt ins Rund

Erzähler: Na, Mensch, die sind ja nicht zu bremsen. Em Kanzel / Grit Schild in Mitte / Caro Schwimmwesten

Erzählerin: So ist das, wenn Frauen, pardon: Engel eine Mission haben!

Erzähler: Schau, Em hält gleich eine Rede und die ganze Welt hört zu …

Em von der Kanzel: Liebe Schwestern und Brüder, der Stift ist mächtiger als das Schwert. Die Extremisten haben Angst vor Büchern und Stiften. Die Macht der Bildung erschreckt sie. Sie haben Angst vor Frauen. Die Macht der Stimme von Frauen erschreckt sie. Und darum zerstören sie täglich Schulen, weil sie Angst haben vor dem Wandel und vor der Gleichberechtigung, die wir unserer Gesellschaft bringen wollen. Frieden ist eine Voraussetzung für Bildung. In vielen Teilen der Welt können Kinder wegen Terrorismus, Krieg und Auseinandersetzungen nicht zur Schule gehen. Wir sind dieser Kriege wirklich müde. Wir werden unsere Reise mit dem Ziel Frieden und Ausbildung fortsetzen. Niemand kann uns aufhalten. Unsere Worte können die Welt verändern, weil wir uns zusammenschließen. aus der Rede von Malala Yousafzai am 12. Juli 2013 vor den Vereinten Nationen in New York

Erzähler / Erzählerin Beifall, animieren Gemeinde

Erzählerin: Oh, und jetzt legt Caro los.

Erzähler: Besser: Caro legt ab! Die hat das Kapitänspatent bestanden und ein altes Schiff flott gemacht. Caro begibt sich auf pantomimische „Seereise“

Erzählerin: Das ist ja ein Ding für einen Engel, wo die doch sonst eher fliegen!

Erzähler: Jetzt sucht sie Menschen, die im Mittelmeer in Seenot sind, und will sie retten.

Erzählerin: Das ist kein Verbrechen! Geste ins Kirchenrund: mit der ganzen Gemeinde wiederholen!

Caro geht durch den Kirchraum, wirft „Geretteten“ Seil zu, zieht sie zu sich / Gerettete ziehen Schwimmwesten über und bilden Schiffsleib / wollen an Säule (oder Bank) anlegen / Salvini baut sich drohend auf

Erzähler: Aber der böse Salvini lässt das Schiff nicht in Italien anlegen. Nach so vielen Wochen auf See. Das ist gemein, die können doch nicht mehr …

Erzählerin: Von dem lässt Caro sich aber nicht einschüchtern!

Caro steigt aus dem Boot und kickt Salvini weg, der strauchelt und zieht ab – „Anlegemanöver“

Erzähler: Klasse, Caro! beide Erzähler*innen Daumen hoch / Caro und Gerettete auf Seitenbank

Erzählerin: Grit sitzt immer noch hier in der Mitte. Was malt die denn da? Das wird ein Schild, oder? Wie bei einer Demo …

Grit schaut auf und hält Pappschild hoch: „Engelstreik an Weihnachten fürs Klima“ / steht auf und guckt grimmig Menschen leiden. Menschen sterben. Wir befinden uns im Anfang eines Massenaussterbens, und alles, woran ihr denken könnt, sind Geld und Märchen von ewigem Wachstum. Wie könnt ihr es wagen! Die Augen der zukünftigen Generationen ruhen auf euch – und wenn ihr uns enttäuscht, werden wir euch das niemals verzeihen. Wir werden euch das nicht durchgehen lassen. Die Welt wacht auf und es wird Veränderungen geben, ob ihr es wollt oder nicht. UN-Klimagipfel am 23.9.19 in New York Wir Engel machen nicht mehr mit: „Engelstreik an Weihnachten fürs Klima“. Schild hochhalten Und ohne Engel kein Weihnachten, da könnt ihr noch so viele Lichterketten aufhängen! Die Frohe Botschaft gibt es nur, wenn Ihr endlich zuhört! setzt sich mit ihrem Schild wieder auf den Boden

Erzähler: Mensch, ist die sauer!

Erzählerin: Aber deutlich. Sag mal, wo sind denn die Jungs die ganze Zeit? Die sollten doch die Weihnachtsbotschaft auch unters Volk bringen.

Erzähler: Keine Ahnung. Ah, guck: da kommen sie - stehen unterm Weihnachtsbaum, wie bestellt und nicht abgeholt. Jungs kommen rein und stehen auf dem Platz um den Weihnachtsbaum

 

3. Szene: Leichte Beute für Luce Morningstar

Vincent: Ey, Mann, was sollen wir denn hier?

Dimitri: Die Frohe Botschaft verkünden, was denn sonst? Wir sind doch Engel. wenig überzeugt

Vincent: Aber das will doch keiner hören!

Horatio: Das glaubt doch eh keiner mehr.

Vincent: Und diese Flügel jucken schrecklich.

Dimitri: Aber es ist doch Weihnachten – irgendwas müssen wir doch machen …

Horatio: Machen ja alle: schaut, wie sie schleppen und gehetzt durch den Gegend rennen!

Dimitri: Aber die Musik – noch ein Jingle Bells und ich sterbe!

Vincent: Die Mädels sind natürlich längst fertig. Mann, wie mich dies Getue aufregt: Jawohl, Erzengel – wir fliegen. nachmachend

Dimitri: Los, Jungs, lass mal so tun. Stellt Euch auf, ich hab hier eine krasse Einspielung, nur Mund aufmachen Handy, Musikeinspielung – und dann ab nach Hause. stellen sich in eine Reihe

Luce Morningstar: Na, meine Herren, im Weihnachtstress? Kein Plan, was das alles soll mit dem Fest und was dabei euer Job ist? Haben euch die Mädels die Show gestohlen? Och, ihr Armen! Tja, die sind fit, da seht ihr ganz schön alt aus.

Vincent: Die wollen sich nur beim Erzengel einschleimen!

Luce Morningstar: Erzengel? Michael? dreht sich ängstlich um Ist der hier irgendwo?

Dimitri: Nee, aber irgendwas hat er über Dich gesagt, ich erinnere mich …

Horatio: Was mit „in acht nehmen“, „gefallener Engel“ und so.

Luce Morningstar: Papperlapapp. Ihr müsst nicht alles glauben, was man so hört!

Horatio: Die Mädels glauben tatsächlich, sie könnten die ganze Welt retten. Lächerlich!

Dimitri: Demnächst überkommt sie „Flugscham“, wenn sie nur mit den Flügelchen wedeln.

Vincent: Dabei machen sie doch nur allen Angst mit ihren Parolen!

Luce Morningstar: Genau, sie hetzen die Leute auf. Und das zu Weihnachten, dem Fest der Freude und des Friedens! Das ist keine Frohbotschaft, das ist eine - - - „Drohbotschaft“!

Dimitri: Jawohl, das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen!

Vincent: Du kannst uns aber tief in die Seele blicken! erstaunt zu Luce

Luce Morningstar: Seelen sind meine Spezialität.

Horatio: Endlich einer, der uns versteht und niemanden bevorzugt!

Dimitri: Brüder, es ist eindeutig: die Mädels verfehlen ihre Aufgabe als Engel. Wir müssen sie stoppen!

Luce Morningstar: Ja, meine jungen Freunde, aber ihr müsst das schlau anfangen.

Vincent: Genau! --- Was wäre denn schlau?

Luce Morningstar: Ihr dürft den Menschen keine Vorhaltungen machen, das will doch niemand hören! Schon gar nicht zu Weihnachten. Da wollen die Leute was Heiteres, Leichtes – mit anderen Worten: die frohe, bunte Weihnachtsbotschaft mit allem Drum und Dran!

Horatio: Wir haben da im Konfer, pardon: in der Engelsschule nicht so aufgepasst …

Dimitri: Kannst du das für uns noch mal kurz zusammenfassen?

Luce Morningstar: Sicher, das lernt ihr auch nicht in der Schule, das lehrt euch das Leben! Was macht euch denn Spaß zu Weihnachten? Doch nicht in die Kirche laufen, Halleluja singen und dieser blöde Kartoffelsalat! Spaß ist was anderes … Nachdenkpause - - - Jungs setzen ein

Vincent: Ja, zum Beispiel, alle Adventskalender auf einmal essen! lässt sich von Luce Adventkalender reichen, spricht in Gemeinde Wozu warten, mal lebt nur einmal! Hier, greift zu, die gibt’s jetzt fast geschenkt. Blisterplastikverpackung? – Ach, kommt schon: Gönnt Euch! verteilt Kalender

Dimitri: Und überhaupt: Shoppen, bis der Arzt kommt! Luce gibt ihm ein riesigen Geschenkesack Ist doch total egal, was das kostet. Kredite gibt’s an jeder Straßenecke und nach Weihnachten könnt ihr den ganzen Plunder ja wieder umtauschen! Was, das hast du schon? Kein Problem, nun hast du doppelt – und dreifach – und vierfach … verteilt mit vollen Händen

Horatio: Warum sitzen hier alle so still in den Bänken? Hey, Leute, das soll eine Party sein? Das ist ein Trauerspiel! Los, diese Nacht ist nicht heilig, die ist jung - da geht noch was! wedelt mit den Armen, Musikeinspielung

Luce Morningstar: Jetzt habt ihr es – ihr seid die wahren Weihnachtsengel! Jungs strahlen, Luce stellt sich wieder an die Säule und reibt die Hände

 

4. Szene: Engel in Not

Grit springt auf und funkelt die Jungs an: Ihr habt sie doch wohl nicht mehr alle! Wahre Weihnachtsengel? Ihr seid Waren-Weihnachtsengel!

Caro springt auf ihre Bank: Schämt euch, ihr habt aber auch nichts kapiert!

Em tritt auf Kanzel: Ihr seid vom Bösen verführt worden, es ist zum Verzweifeln. schüttelt traurig Kopf

Grit: Wir haben keinen Planeten B, du Hornochse! haut Vincent das Schild auf den Kopf / Caro und Em kommen dazu / Getümmel und Geschubse / Erzengel Michael kommt herein gelaufen

Erzengel Michael: Du lieber Himmel, was ist denn hier los? Das kann doch nicht wahr sein: Meine schöne Abschlussklasse!

Caro: Die Jungs haben die Frohe Botschaft völlig missverstanden und werfen hier all das Zeug durch die Gegend und verschmutzen die Umwelt!

Dimitri: Blöde Petze!

Grit: Das sind totale Ignoranten. Typisch!

Dimitri: Und ihr seid, ihr seid, ihr seid --- sich steigernd, kann Zorn kaum zügeln

Alle Jungs zusammen: Ätzende Streberinnen! laut, wütend, anklagend

Vincent: Und Grit hat mir das Pappschild auf den Kopf geschlagen … jämmerlich

Em: Bitte regt Euch doch nicht alle so auf!

Horatio: Ich hab‘ keine Lust mehr, macht doch euren Kram alleine! will Flügel ablegen

Erzengel Michael: Halt mal … wendet sich an Erzähler*innen Ich stehe vor einem Rätsel: Könnt ihr mir das erklären? zeigen synchron mit Finger auf Luce Morningstar Ah, dachte ich mir’s doch! geht zu Luce, legt ihm vertraut den Arm um die Schulter Na, Luce, alter Junge, schwere Zeiten, was? Weihnachten, das Fest der Liebe und der Familie, und du ganz allein …

Luce Morningstar: Och, passt schon! Hab‘ mich hier dieses Jahr ganz gut amüsiert.

Erzengel Michael: Na, komm‘ mal mit, ich hab‘ da auch noch was für dich … tritt mit ihm ab, Prügelgeräusche / Engel hören erschrocken zu / Erzengel tritt wieder auf So, und jetzt zu Euch, meine Herrschaften! Telefon klingelt Darf ich? zu Erzähler*innen / nicken / Erzengel nimmt ab Oh, HERR, das ist ja ein seltener Anruf! – Doch alles in Ordnung, alles bestens zum Fest. – Nein, das hat ihm nicht wehgetan, vielleicht ein kleines bisschen … - Ja, Antiaggressionstraining ist bestimmt eine gute Sache. – Was, die? Heute, gleich? Wirklich zu den Hirten aufs Feld? – Du meinst, die schaffen das? Man muss den jungen Leuten was zutrauen? – Na gut. Frohe Weihnachten dann, bei mir wird’s bestimmt etwas später. - - - Tja, das ist ja was! nachdenkend, räuspert sich Sonderauftrag für Euch, meine Lieben, von höchster, was sag ich: von allerhöchster Stelle. Ihr sollt dieses Jahr zu den Hirten aufs Feld von Bethlehem und ihnen die Frohe Botschaft bringen! Absolute Priorität, wehe, ihr enttäuscht mich! Gemeinsam sollt ihr das tun - zusammen, versteht ihr? Kein Streit mehr und vor allem keine Widerrede. gucken sich giftig an / zerren Schluss jetzt! Formationsflugaufstellung scharf – Pause - stellen sich auf: 1,2,3 und ab mit Euch! „Surr“ / treten ab / Hirten nehmen Lager in Kirchenmitte ein / treten dann wieder ein, bleiben am Rand stehen und hören Hirten zu

 

5. Szene: Friede und Freude sind noch nie vom Himmel gefallen

Hirt*in 1: Mir ist so furchtbar kalt. bibbert Hat jemand noch was zum Zudecken?

Hirt*in 2: Bei dem Klima helfen nur warme Gedanken! Außerdem, wo sollen wir denn was zum Zudecken hernehmen? Wir haben doch nichts.

Hirt*in 3: Und das, was wir hatten, haben uns die Römer abgezogen. Die reißen alles an sich und werden immer reicher. Das wird sich nie ändern!

Hirt*in 1: Wie soll es auch? Wir können uns ja nicht wehren! Wir haben keine Stimme. Von uns ist keiner zur Schule gegangen. Wir können nicht lesen und schreiben - wir können nichts anderes, als Schafe hüten!

Hirt*in 3: Und deshalb liegen wir jetzt hier draußen im Dreck bei Kälte und Dunkelheit in der Nacht und Hitze und Dürre am Tag. Das ist doch kein Leben! Da muss es doch noch was Besseres geben …

Hirt*in 2: Macht es, wie ich: Ich lege jeden Denar zurück! Mich hält hier nichts, ich will bloß noch weg aus diesem armseligen Bethlehem, diesem elenden Kaff. Ich geh ans Meer und schleich mich auf ein großes Schiff und dann setze ich über nach Europa.

Hirt*in 1: Die werden dich erwischen und dann geht es dir richtig schlecht. Dann lieber hier am Tag schwitzen und in der Nacht frieren … Engel hören am Rand gebannt zu, denken nach

Vincent: Habt ihr das gehört? Das sind ja ganz arme Schlucker! Und mit denen soll die Heilige Geschichte losgehen, die hat GOtt sich ausgesucht?

Dimitri: Die können einem echt nur leidtun.

Caro: Ja, und die Umstände scheinen in all den Zeiten ähnlich zu sein.

Em: Wenn du arm geboren wirst, hast du keine Chance. Und wenn du dann noch eine Frau oder ein Kind oder ein armer Hirte bist, dann ist das noch schwerer.

Dimitri: Dann musst du hart ums Überleben kämpfen!

Grit: Und alle sehen auf dich herab und keiner nimmt dich ernst.

Vincent: Und immer gibt es welche, die sich aufspielen und die Schwachen drangsalieren.

Horatio: Was sollen wir denen jetzt sagen? zeigt auf Hirten Was ist denn die Botschaft, die wir ihnen von GOtt ausrichten sollen? Da sind wir doch echt überfordert …

Grit: Na, auf keinen Fall eure „Spaßweihnacht“ – die macht alles nur noch schlimmer!

Dimitri: Es ist ihnen aber auch nicht geholfen, wenn wir den Finger noch tiefer in die Wunde legen und ihnen dauernd vorhalten, was auch sie alles falsch machen.

Caro: Vielleicht ist es ja gar nicht so schwer … Und wir müssen doch barmherzig sein, wir können doch gar nicht anders – wir sind doch Engel! Geste zu allen hin

Em: Vielleicht haben wir es gar nicht der Hand, was sie dann aus der Botschaft machen.

Horatio: Du meinst, wir sollten einfach das sagen, was wir schon immer gesagt haben?

Em: Auf den einem Versuch mehr oder weniger kommt es doch nicht an, oder?

Horatio: Schlaues Mädchen!

Grit: Kommt, so machen wir es – wir alle zusammen: …

Engel im Chor: Sound- und Lichteffekt
Fürchtet euch nicht!
Siehe, wir verkündigen euch große Freude,
die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Ehre sei Gott in der Höhe
und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens. Hirten stehen freudig erstaunt im Licht

Nachklang

Erzähler – Vorspruch

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Erzählerin – Vorspruch

Junge Menschen haben auch eine Botschaft an die Welt.

Erzähler

Nicht nur am Heiligen Abend!

Erzählerin – Vorspruch

Manchmal steuern sie dazu ein Schiff durchs Mittelmeer.

Erzähler – Vorspruch

Oder halten der ganzen Welt ein Schild entgegen.

Erzählerin – Vorspruch

Sie geben nicht auf und ergreifen das Wort, auch wenn man sie kränkt und verletzt.

Erzähler – Vorspruch

Sie sind ganz außergewöhnlich.

Erzählerin – Vorspruch

Oder ganz normal.

Erzähler – Vorspruch

Manchmal wissen sie noch nicht, wo’s hingehen soll mit ihnen.

Erzählerin - Vorspruch

Aber man muss Vertrauen haben in die jungen Leute!

Erzählerin – Vorspruch

Das hat GOtt auch – sogar mit uns allen: Jungen und Alten und denen dazwischen.

Erzähler – Vorspruch
GOtt fängt einfach immer wieder neu an …

Erzählerin – Vorspruch

... wie mit einem Kind ist das:

Erzähler – Vorspruch

in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.

 

1 – 2 – 3: Applaus!

 

LIED


Michael Ebener, mit Konfirmandinnen und Konfirmanden 2019/20

Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog wird erneut verliehen

Ausschreibung zum 80. Jahrestag der Ermordung am 12. August
Zum 80. Jahrestag der Ermordung von Werner Sylten am 12. August schreibt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zum siebten Mal den Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog aus.

Quelle: EKMD