Kolumne

Die Welt ist voller Dämonen! Überall lauern finstere Mächte, die uns überkommen und uns zu Untaten verleiten wollen. Wie? Sie schütteln den Kopf? Zumindest gemäss Karl Barths Theologie ist die Welt voller Dämonen resp. «Herrenlosen Gewalten». Nur nennt er sie nicht Asasel und Nephilim, sondern Totalitarismus und Sportverrücktheit – manchmal auch gut biblisch Mammon (um nicht Kapitalismus zu sagen). Das Perfide ist, dass diese Mächte im Grundsatz gut wären. Sie sind menschliche Fähigkeiten, mit denen wir uns in der Wirklichkeit bewegen. Nur ist für Barth die Wirklichkeit von Gott gegeben. Wenn sich die Menschen von Gott lösen, beanspruchen ihre Fähigkeiten die Wirklichkeit für sich. Sie verselbständigen sich und dienen nicht mehr uns, sondern wir dienen ihnen. Auf einmal richten Parteien ihr Programm nicht mehr nach den Interessen ihrer Wähler aus, sondern gewinnen die Wähler für ihr Programm. Auf einmal geht es in der Wirtschaft nicht mehr um die Erhaltung von Menschleben durch Arbeitsplätze, sondern um die Erhaltung von Arbeitsplätzen durch den Einsatz von Menschenleben. Auf einmal dient Sport nicht mehr der Lebensqualität der Menschen, sondern ganze Wohnquartiere fallen dem Bau von Fussballstadien zum Opfer. Diese Dämonen bleiben unsere Fähigkeiten. Kein Dämon hat absolute Macht. Wir könnten den Lauf der Welt ändern. Darum sind wir als Christinnen und Christen aufgefordert, wachsam zu sein und kritisch unsere Stimme zu erheben, wenn immer Mächte nicht mehr den Menschen, sondern Menschen den Mächten dienen.

Raffael Sommerhalder