Feiern, fröhliche Lieder - geht so etwas in unserem Haus?

Ostern im Kinderhospiz


© Sylvia Bukowski

Von Sylvia Bukowski

„Christus ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ So begrüßen sich Christ*innen überall auf der Welt zu Ostern, singen fröhliche Lieder und lachen das Osterlachen zum Spott über den besiegten Tod.

Aber geht das in unserem Haus?

Nicht nur einmal ist kurz vor Ostern ein Kind verstorben und die Trauer hing schwer in allen Räumen und in unseren Herzen.

Wenn wir Ostern im Kinderhospiz feiern, blenden wir den Tod nicht aus. In unserer Mitte liegt ein Kreuz aus Backsteinen. Es erinnert an den Tod, den Jesus gestorben ist, qualvoll und von vielen Freunden im Stich gelassen. Ich muss niemandem hier erklären, wie neben den körperlichen Schmerzen, die Jesus am Kreuz aushalten musste, die seelischen alles noch schlimmer gemacht haben. Die Familien wissen, wie das ist, wenn sich selbst Nahestehende zurückziehen, weil sie nicht aushalten, dass ein Kind lebensverkürzend erkrankt ist und vorzeitig sterben wird. Auch dass Jesus sich sogar von Gott verlassen gefühlt hat, ist ihnen nicht fremd. Die Gäste in unserem Haus kennen alle Stufen von Leid.

Dann erzähle ich vom Ostermorgen. Da hat es Maria zum Grab Jesu gezogen. Zu dem einzigen Ort, wo sie ihm noch nahe sein, etwas Liebevolles für ihn tun konnte. Aber das Grab war leer. Von Jesus keine Spur. Das hat Maria verzweifeln lassen. Nun war ihr nichts mehr von Jesus geblieben. Nicht einmal etwas von dem Toten. Und kein Ort für die Trauer. Vor lauter Weinen erkennt sie Jesus nicht. Er steht vor ihr. Aber erst als er sie anspricht, erst als er sie bei ihrem Namen nennt, da weiß sie: Er ist es! Sie möchte diesen Moment am liebsten festhalten. Aber das geht nicht. Der Auferstandene ist nah und zugleich unerreichbar fern. Trotzdem: Maria ist jetzt sicher: der Tod hat Jesus nicht zum Verstummen gebracht, hat nicht für immer ausgelöscht, was Jesus in die Welt gebracht hat. Seine Liebe ist stärker als der Tod.

Wie stark die Liebe ist, wissen die Gäste in unserem Haus. Sie ist ihnen Quelle von Lebenskraft bei allem, was sie zu bewältigen haben. Und wenn der Tod kommt und ihnen das Herz bricht, hat er doch keine Macht über ihre Liebe. Die bleibt.

Wenn wir in unserem Haus Ostern feiern, schmücken wir das Kreuz aus Backsteinen mit Blumen, verwandeln das Zeichen des Todes in ein Zeichen von Leben und Hoffnung. Wir singen fröhliche Lieder - manchmal unter Tränen – und lachen miteinander, dem Tod zum Trotz und mit dem Trost: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Und er wird alle mitnehmen in das neue Leben ohne Schmerz und Tränen – auch die Kinder, um die wir trauern.


Sylvia Bukowski

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Zum 80. Jahrestag der Ermordung von Werner Sylten am 12. August schreibt die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) zum siebten Mal den Werner-Sylten-Preis für christlich-jüdischen Dialog aus.

Quelle: EKMD